Tektonik

Die archivalischen Bestände des LAELKB sind nach einer Gesamtgliederung aufgestellt, der sogenannten Bestandstektonik. Diese ist einerseits hierarchisch, andererseits chronologisch aufgebaut. Dazu kommen weitere Bestände, die sich nicht nach diesen Grundprinzipien zuordnen lassen, etwa im Bereich Sammlungen oder Nachlässe. Die Tektonik umfasst folgende Hauptgruppen:
Gliederung Tektonik

Die vollständige Tektonik, d.h. eine Übersicht aller im LAELKB verwahrten Bestände mit deren Zuordnung zu den einzelnen Gliederungspunkten der Tektonik, wird in Kürze hier eingestellt werden.

Eine spezifizierte Übersicht über die Bestände des LAELKB gibt das „Handbuch des kirchlichen Archivwesens” (s.u. Literaturverzeichnis). Hier sei nur das Wichtigste genannt:

Die Archivbestände gliedern sich grob in vier Hauptgruppen:
I. Vor Gründung des Königreichs Bayern (1806)
II. Königreich Bayern bis zur Trennung von Kirche und Staat (1806 bis 1920)
III. Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ab 1920)
IV. Sammlungen, Nachlässe (ohne Gliederung nach Epochen)

Die epochale Gliederung zeigt sich deutlich bei den Oberbehörden. Auf der mittleren und unteren Ebene haben wir eher Kontinuität über diese Brüche hinweg, so bei den Dekanaten eine Zweiteilung: vorbayerisch bis zur Neugliederung 1810, bayerisch von da ab bis in die jüngere Vergangenheit; die Überlieferung der Pfarrämter hingegen kennt überhaupt keine Zäsur.

I. Vorbayerische Territorialkirchen/„Altes Reich“

1. Fürstentum Brandenburg-Ansbach: Den umfangreichsten Bestand bilden die Akten des Konsistoriums für das Markgraftum Brandenburg-Ansbach (Ende 15. Jh.-1806). Dazu kommt die Überlieferung der markgräflichen Dekanate: Feuchtwangen (ab 1456), Gunzenhausen (ab 1531), Langenzenn – Cadolzburg – Zirndorf (ab 1525, im Wesentlichen 17./18. Jh.), Leutershausen (ab 1457), Schwabach (ab 1473), Uffenheim (ab 1478), Wassertrüdingen (ab 1565), Wülzburg (ab 1509), der Kirchenstiftung Ansbach-St. Johannis (Akten und Rechnungen der Johannispflege ab 1475), der Kombinierten Stiftung Stauf (Akten und Rechnungen ab 1649), der Kirchenstiftung Wald (1672-1749) und der Kirchen- und Pfarramtsstiftung Windsbach mit Nebenstiftungen (1551-1955).

2. Fürstentum Brandenburg-Bayreuth: Die Überlieferung des für das Markgraftum Brandenburg-Bayreuth zuständigen Konsistoriums ist 1825 weitgehend verlorengegangen. Erhalten blieben die Archivalienbestände der Superintendenturen Baiersdorf (Erlangen; ab ca. 1600), Bayreuth (ab ca. 1550), Hof (ab ca. Mitte 16. Jh.), Kulmbach (ab ca. 1520), Münchberg (ab ca. 1660), Neustadt a.d.Aisch (einschl. Burgbernheim und Dietenhofen – Markt Erlbach; ab ca. 1550) und Wunsiedel (ab ca. 1615).

3. Übrige Territorien und Reichsstädte, Reichsritterschaft: Die Pfalzgrafschaft Sulzbach ist mit der Superintendentur und Inspektion Sulzbach (ab ca. 1553) vertreten, die Grafschaft (Fürstentum) Oettingen mit dem Generalsuperintendenten (ab ca. 1570), der Superintendentur Harburg (1660-1808) und dem Evangelischen Waisenhaus Oettingen (1714-1953), die Grafschaft Pappenheim mit dem Dekanat Pappenheim (1542-1809), das Fürstentum Schwarzenberg mit dem Konsistorium Schwarzenberg (1577-1812); dazu kommt Überlieferung der Grafschaft Wolfstein (1574-1713) und der Deutschordenskommende Virnsberg (1525-1809). Gering ist der Anteil ritterschaftlicher Kirchenwesen (Rotenhan/Eyrichshof, 1590-1789; Thüngen). Den überwiegenden Teil reichsstädtischer Archivbestände nimmt das Schriftgut Nürnberger Ämter und Kirchen ein: Das Landalmosenamt (ab 1430), die Verwaltung des Vereinigten prot. Kirchenvermögens der Stadt Nürnberg (ab 1533; enthält auch Überlieferung reichsstädtischer Vorgängerbehörden wie des Stadtalmosenamts, des Kirchenamts, Grabstätten- und Konvertitenamts), u.a. bezüglich auf die Pfarrämter Burgfarrnbach (17./18. Jh.), Bruck (ab 1508), St. Leonhard (17./18. Jh.), St. Lorenz (ab 1520), St. Sebaldus (ab 1482), Wöhrd-St. Bartholomäus (ab 1659), Mögeldorf (ab 1681), Eibach (ab 1500), Oberkrumbach (ab 1538). Andere Reichsstädte: Lindau (Scholarchat ab 1588), Memmingen (Superintendentur ab 1577), Nördlingen (Superintendentur ab 1755), Rothenburg o.d.T. (Superintendentur ab 1775; Geistliche Fraternitäts- und Pfarrwitwenkasse auf dem Lande ab ca. 1580), Ulm (Pfarramt Leipheim ab ca. 1600) und Windsheim (366 Urkunden ab 1307; Akten ab 1471).

4. Urkundensammlung:  Die ca. 1150 gesondert aufbewahrten Urkunden entstammen zum größten Teil den Beständen verschiedener Pfarreien, Dekanate und Stiftungen aus Wendelstein, Windsheim, Burgfarrnbach, Bruck, Feucht und Augsburg (Evang. Waisenhausstiftung). Die älteste Urkunde der Sammlung (betr. Obernzenn) wurde 1260 ausgestellt.

II. Außerbayerische Territorialkirchen

Die ehemalige Evangelische Landeskirche von Sachsen-Coburg schloss sich am 1. April 1921 der ELKB an. Den zentralen Bestand bilden die Akten des Herzoglichen Staatsministeriums als Konsistorium (ab 1850), der Kirchenämter Coburg-Stadt (ab 1858) und Coburg-Land (ab 1804). Darin enthalten sind auch Personalakten der Geistlichen sowie Akten über die Pfarrstellen außerhalb der Stadt Coburg. Weitere Fonds: Generalsuperintendent (17.-20. Jh.; Urkunden ab 1356), Oberkirchenrat und Landessynode (1919-1921), die Ephorien Coburg, Königsberg in Bayern (ab 1591), Neustadt bei Coburg (ab 1840), Rodach (ab 1658), Sonnefeld (ab 1642) die Adjunkturen Meeder (ab 1650) und Scherneck (ab 1650). Die Superintendentur Ostheim vor der Rhön (bis 1945 thüringische Enklave, bis 1920 Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach) trat 1954 in ein Vertragsverhältnis mit der ELKB und wurde 1972 endgültig eingegliedert. Das Archiv schließt mit dem Jahre 1971, der älteste Akt beginnt 1588.

III. Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (19. u. 20. Jh.)

Die verschiedenen Gebietsänderungen während der ersten fünfzehn Jahre des 19. Jahrhunderts bewirkten, dass sich die Organisation der „protestantischen Gemeinde” im Königreich Bayern nur allmählich herauskristallisierte. Zunächst wurden mit den Territorien die vorgefundenen Behörden übernommen. 1809 entstanden das Generalkonsistorium als Sektion des Innenministeriums und die ihm nachgeordneten Generaldekanate bei den Generalkreiskommissariaten, Vorläufer der Konsistorien. 1817 wurde deren Zahl auf zwei, nämlich Ansbach und Bayreuth, reduziert. Für das linksrheinische Bayern kam das Konsistorium in Speyer hinzu. Durch die Verfassung von 1818 erhielt das Generalkonsistorium die Bezeichnung Oberkonsistorium und den Charakter einer geistlichen Behörde des Landesherren als summus episcopus, der die drei Konsistorien (Speyer bis 1848) und das Dekanat München unmittelbar nachgeordnet waren. Am 7. Dezember 1810 erfolgte auf unterer Ebene die Neugliederung in 55 Dekanatsbezirke (heute: 67). Die 1920 beschlossene neue Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern legte die im Prinzip auch unter der seit 1. Januar 1972 geltenden heutigen Kirchenverfassung noch wirksame Organisationsstruktur fest: An die Stelle des Oberkonsistoriums trat ab dem 1. Januar 1921 der Landeskirchenrat, die Konsistorien als Kollegialbehörden verschwanden ganz; das Kirchengebiet wurde in drei Kirchenkreise (heute sind es sechs) unter je einem Kreisdekan (heute Regionalbischof/-bischöfin), der/die zugleich Mitglied des Landeskirchrats ist, eingeteilt. Aus dem Kirchenpräsidenten, der den Vorsitz im Landeskirchenrat hat, wurde 1933 der Landesbischof. Die weiteren kirchenleitenden Organe sind die Landessynode und der Landessynodalausschuss (Kirchengesetzgebung, Haushalt). Als zentrale kirchliche Verwaltungs- und Aufsichtsbehörden fungieren das Landeskirchenamt in München und die diesem zugeordnete Landeskirchenstelle in Ansbach. Entsprechend der skizzierten Organisation setzen sich die neueren Bestände zusammen: Oberkonsistorium (ab 1809); Bayerisches Konsistorium Ansbach (ab 1809); Bayerisches Konsistorium Bayreuth (ab 1810); Landeskirchenrat mit Landeskirchenamt (1919-1964); Landesbischof (1934-1975); Kreisdekane von Ansbach(-Würzburg), Augsburg, Bayreuth, München, Nürnberg und Regensburg; Handakten von Theologen und Juristen des Landeskirchenrats; alle bayerischen Dekanate (jeweils von ca. 1810-1947, teilweise schon bis 1978). Sonstige landeskirchliche Dienststellen und Einrichtungen: Landeskirchliche Stiftungsverwaltung nebst Vorgängern (1810-1950); Landeskirchenstelle Ansbach (1930-1966); Pfründestiftungsverband (1935-1971); Glocken- und Orgelsachverständige (1931-1971); Sonderseelsorgestellen wie Studentenseelsorge, Militärseelsorge, Lager- und Anstaltsseelsorge (u.a. Dachau 1945-1948, Landsberg/Lech 19481949, Stadelheim 1940-1954), Reiseprediger.

IV. Kontinuität jenseits aller Epochengrenzen: Pfarrarchive

Die hier verwahrten Archive von über 500 Pfarrämtern (16. Jh.-ca. 1985, Rechnungen teils bis ca. 2000 und später) übergreifen alle Epochen der Geschichte der evangelischen Kirche auf dem Gebiet des heutigen Bayern. Einen besonders wichtigen Bestandteil der Pfarrarchive bilden die Kirchenbücher (Matrikeln). Die durch eine Namenskartei erschlossenen Kirchenbücher aller Nürnberger Pfarreien von 1524 bis (ca.) 1875 werden ebenfalls im LAELKB verwahrt. Um die wertvollen Originale zu schonen, wird diese wichtige Quellengattung nur in Form von Digitalisaten zur Nutzung vorgelegt.

V. Kirchliche Anstalten, Stiftungen, Vereine, Werke und Einrichtungen

Größere Komplexe bilden die Pfarrwitwen- und -waisenkassen, -stiftungen und -anstalten, die Organisationen kirchlicher Mitarbeiter, z.B. der Pfarrerverein (1859-1940), die Diakonie mit dem Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (früher Landesverein, dann Landesverband für Innere Mission und Evangelisches Hilfswerk (1886-1970)) und verschiedenen kleineren Diakonie-, Hilfs- und Rettungsvereinen (19./20. Jh.), die Äußere Mission, z.B. Zentralverband für Äußere Mission (1880-1969), die Gemeindearbeit (Zentralbibelverein, Bibelkreise, Mädchen- und Frauenbünde, CVJM, Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine u.a.m.), die Diasporaarbeit (Gustav-Adolf-Hauptverein (1893-1972) und Zweigvereine; Martin-Luther-Bund und -Verein usw.), kirchliche Arbeitsorganisationen und Vereine (z.B. Bayerische Pastoralkonferenz (1870-1957), Verein für bayerische Kirchengeschichte, Kirchengesangverein, Evangelischer Schulverein, Oekumenischer Arbeitskreis Unterfranken, Baugenossenschaften u.a.m.). Weiter: Evangelischer Humiliaten-Orden (1921-1979), Moosburger Lagerbruderschaft (1947-1952), Martinus-Verlag „Allgemeine Rundschau“ (ca. 1930-1950), die Studentenverbindungen Uttenruthia (ca. 1835-1950) und Wingolf (ca. 1850-1942), der Theologische Studentenverein (1899-1938) und die Deutsche Christliche Studentenvereinigung.

VI. Sammlungen und Nachlässe

Nachlässe von Theologen, Juristen, Kirchenmusikern (z.Zt. über 300); Pfarrersiegel (17.-19. Jh., ca. 2500); Dienstsiegel (19. u. 20. Jh., ca. 1400); Medaillen, Gedenkmünzen; Plakate; Karten und Pläne; Schallplatten, Tonbänder, Tonkassetten, Videobänder; Diapositive, Fotos, Fotoplatten; Ton- und Stummfilme (Evang. Bildkammer Nürnberg), CD-ROMs, DVDs; Druckschriftensammlung und andere zeitgeschichtliche Sammlungen (z.B. Kirchenkampf); Pfarrchroniken; Pfarrerviten usw.

VII. Bibliotheken

a) Amts- und Spezialbibliothek für bayerische Kirchengeschichte, Landes- und Ortsgeschichte, Ökumene und Kirchenrecht (ca. 150.000 Bände) mit Sondersammlung: Deutschsprachige Gesangbücher. Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum: Gemeindeblätter und -briefe aller Kirchengemeinden der Landeskirche bis 2004; sonstige Druckerzeugnisse innerhalb der Landeskirche. b) Kirchenbibliotheken: Fenitzer-Dilherr'sche Bibliothek (ca. 27.000 Titel inkl. mittelalterlicher Handschriften und Inkunabeln); Spitalbibliothek (ca. 8600 Titel); Pfannenstiel'sche Bibliothek Weiden (ca. 2000 Titel); weitere kleinere Kapitels- und Pfarrbibliotheken mit erheblichem Altbestand.

 

LITERATUR:
Kirchengeschichte: Matthias Simon: Die evangelische Kirche in Bayern (Historischer Atlas von Bayern, Kirchliche Organisation 1. Teil), München 1960.

Archiv:
Hans Otte (Hg.): Handbuch des kirchlichen Archivwesens I. Die zentralen Archive in der evangelischen Kirche, Neustadt/Aisch 1997, S. 11-68 (S. 58-60 weitere Literatur). Andrea Schwarz: Die Entstehung des Landeskirchlichen Archivs der Evang.-Luth. Kirche in Bayern und seine weitere Entwicklung, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 76 (2007), S. 22-36. Andrea Schwarz: 75 Jahre Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, in: Der Archivar 60 (2007), S. 339-341.

Bibliotheken:
Renate Jürgensen (Bearb.): Nürnberg 6: Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, in: Bernhard Fabian (Hg.), Handbuch der Historischen Buchbestände in Deutschland, Band 12: Bayern I-R (Hg.: Eberhard Dünninger), Hildesheim, Zürich, New York 1996. Helmut Baier: Die Bibliotheken des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, in: Bibliotheks-Forum Bayern 12 (1984), S. 153-160. Werner Jürgensen: Gelehrtenbibliotheken im Landeskirchlichen Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern in Nürnberg, in: Johannes Merz/Nikola Willner (Hgg.): Kirchliche Buchbestände als Quellen der Kulturgeschichte, Würzburg 2010, S. 95-108.

Text: Werner Jürgensen M.iur.utr.; Dr. Daniel Schönwald M.A. (aktualisiert am 2. November 2015)