Erstes Missionsflugzeug der Lutheran Mission New Guinea

Das Foto wurde aus einem unverzeichneten Fotoalbum des Bestandes Mission eine Welt (MEW) entnommen, dass vom LAELKB verwahrt wird. Diese Alben und Fotos wurden von Missionaren im Zuge ihrer Auslandsarbeit gefertigt, um ihr Leben und Wirken dokumentarisch festzuhalten. Das abgebildete Foto zeigt die missionarische Tätigkeit des Missionswerks „Lutheran Mission New Guinea“ in Papua-Neuguinea. Doch das Besondere an diesem Bild ist der fotografierte Flugpionier Fritz Loose und das erste Missionsflugzeug der Lutheran Mission New Guinea die „Papua“.

Papua - Flugzeug
(Text: Cornelia Mertian)                                                                    05.06.2019

Das Flugzeug (Flugzeugmuster F13 Nr. 2074 mit L5-Motor) wurde von Junkers-Flugzeug A.G. durch die Neuendettelsauer Missionsgesellschaft am 29. November 1934 übernommen. Es war 10 Meter lang; einschließlich beider Tragflächen 17,75 Meter breit und hatte eine Höhe bis zur Propellerspitze von 4 Metern. Des Weiteren hatte es ein Rüstgewicht von 1720 kg; das mögliche Ladegewicht war 1280 kg und es konnte mit dem 300 PS starken Motor bis zu 5 Personen gleichzeitig transportieren. Somit war es ideal für den Einsatz der Mission in schwer erreichbaren Gebieten. „Das erste deutsche Junkersflugzeug auf einem evang. Missionsfeld ist nicht nur von kirchlicher Bedeutung, sondern hebt auch das Ansehen des deutschen Volkes im Ausland“  schrieb 1933 der Neudettelsauer Missionsleiter Herr Dr. Eppelein. Weiter schreibt er zwei Jahre später: „Hätten wir kein Flugzeug absenden können, dann wäre unsere ganze bald 50jährige deutsch-evangelische Missionsarbeit in Neuguinea abgedrosselt, getötet worden, dann wären all die ergreifenden Opfer deutscher Volks- und Glaubensgenossen in Neuguinea umsonst gebracht worden“ .

Zusätzlich zum neu erworbenen Junkersflugzeug heuerte man den Flugpionier und –Kapitän Fritz Loose an. Durch seine zahlreichen Flugstunden und Erfahrungen, war es einer seiner Aufgaben eine Flugstation in Malahang mit aufzubauen. In den Jahren vor seiner dreijährigen Tätigkeit in Neuguinea, erlangte er durch mehrere Flüge eine gewisse Berühmtheit. „Die Jahre 1927/28 waren eine Zeit der Rekordflüge. Am 21.3.1927 konnten L [oose]. und sein Kopilot K. Schnäbele mit einem Landflugzeug W 33 zwei internationale Rekorde brechen, indem sie mit 500 kg Zuladung mehr als 22 Stunden in der Luft blieben und dabei 2 735 km zurücklegten. Am 30.3.1927 wurden zwei Weltrekorde von L. allein mit einem Wasserflugzeug W 33 mit 500 kg Belastung durch 14 Stunden Flugzeit und 1 700 km Flugstrecke überboten“. Auch geht aus den Archivalien hervor, dass die Flüge in Papua-Neuguinea nach Gefühl und Wetterbeobachtungen durchgeführt werden mussten, was dieses Unterfangen zu einer heiklen Angelegenheit machte, die nur sehr gute Piloten durchführen konnten. Aus diesen Gründen wurde Fritz Loose für diese Aufgabe ausgewählt.

Zwar zeigt dieses Foto nicht den Erstkontakt mit den Einheimischen, doch sehen sie hier das erste Flugzeug in ihrem Leben. Die Gefühle zwischen Angst, Neugier und Anspannung werden für den Betrachter nachvollziehbar. Missionare schrieben in ihren Berichten über die Reaktion der Einheimischen auf das unbekannte Flugobjekt. Zuerst flüchteten die Papuas vor Angst und dann dachten sie, dass das Flugzeug eine große Vogelmutter wäre, dass die Weißen zur Welt bringt.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Börner, Martin (1936): Jahresbericht. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), MEW 7.212. Transportwesen 1931 - 1972 Enthält auch: - Berichte Aviation Department - Flugstation Malahang - Junkers Flugzeug - Papier Keyßer, Eigentumsrecht in der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea, vermutlich Ende 1930er Jahre Bericht Flugkapitän Loose "Flugerlebnisse in Neuguinea" Darin: Sonderbeilage zum Neuendettelsauer Missionsblatt zu Junkers.
Eppelein, Friedrich (1933): Bericht über die Anschaffung eines Missionsflugzeug und Aufruf zum Spenden. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), MEW 7.121. Sonderbeilage zum Neudettelsauer Missionsblatt für unsere treuen Freunde.
Eppelein, Friedrich (1935): Bericht über die Missionsarbeit in Neuguinea. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), MEW 7.121. Mitteilungsblatt der Neudettelsauer Missionshilfe.
Transportwesen. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), MEW 7.121. Enthält auch: - Berichte Aviation Department - Flugstation Malahang - Junkers Flugzeug - Papier Keyßer, Eigentumsrecht in der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea, vermutlich Ende 1930er Jahre Bericht Flugkapitän Loose "Flugerlebnisse in Neuguinea" Darin: Sonderbeilage zum Neuendettelsauer Missionsblatt zu Junkers.
Loose, Fritz (1938): Abschlussbericht. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), MEW 7.121. Transportwesen 1931 - 1972 Enthält auch: - Berichte Aviation Department - Flugstation Malahang - Junkers Flugzeug - Papier Keyßer, Eigentumsrecht in der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea, vermutlich Ende 1930er Jahre Bericht Flugkapitän Loose "Flugerlebnisse in Neuguinea" Darin: Sonderbeilage zum Neuendettelsauer Missionsblatt zu Junkers.
Schulz, Werner (1987): Loose, Fritz. in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987). S. 156 f. Online verfügbar unter https://www.deutsche-biographie.de/sfz54187.html , zuletzt geprüft am 13.11.2018.
Vicedom, Gerhard (1936): Ein neu entdecktes Papuavolk. Landeskirchliches Archiv der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (LAELKB), 8° 8531/1-3. Berichte über die Erlebnisse im Landesinneren in der Nähe vom Waghital.

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