„Ich habe versucht, meinen eigenen Weg zu finden, immer!“
Das Zeitzeuginnen-Interview mit Hiltrud von Loewenich
01.04.2025, Recherche und Text: Dr. Alexandra Lutz
Am 20. März erhielt das Landeskirchliche Archiv als Schenkung 42 Interviews mit Frauen, die in der Geschichte der Landeskirche bedeutsam waren. Unter diesen Interviews, die vom Arbeitskreis Frauenkirchengeschichte geführt worden waren, findet sich auch eines mit Hiltrud von Loewenich.
Sie war, wie das Zitat zum Ausdruck bringt, nicht nur die Frau des ehemaligen Landesbischofs Hermann von Loewenich, sondern auch eine sehr eigenständige Frau mit eigenen Zielen.
Geboren 1936 als „echtes Kriegskind“, wuchs sie in der Nähe von Stuttgart, in Hohenheim auf. Nach dem Abitur 1955 absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und sammelte erste Berufserfahrungen. 1960 folgte eine Ausbildung zur Jugendleiterin bzw. Diplom-Sozialpädagogin. In diesem Jahr lernte sie ihren späteren Mann kennen, den sie 1962 heiratete - dies aber „nicht als Pfarrer, sondern als Hermann!“, wie sie im Interview betont.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten begleitete sie ihren Mann an verschiedenen Stationen: Das junge Paar lebte zunächst in Nürnberg, wo Hermann von Loewenich seine erste Pfarrstelle von 1962-1969 in St. Egidien innehatte und wo die beiden Kinder geboren wurden. 1969 folgte mit der Stelle als Dekan der Umzug nach Kulmbach und 1976 die Rückkehr nach Nürnberg, dies erst als Dekan und dann als Kreisdekan. 1994, nach der Ernennung zum Landesbischof, zog das Ehepaar nach München. Im Ruhestand kehrten sie nach Nürnberg zurück. Bei all seinen Karriereschritten und beruflichen Etappen unterstützte Hiltrud von Loewenich ihren Mann, der sie stets als offene, aufmerksame Diskussionspartnerin und als Ratgeberin schätze. Darüber hinaus ging sie jedoch auch ihren eigenen Weg.
Nachdem sich Hiltrud von Loewenich in den ersten Jahren ihrer Ehe vor allem der Kindererziehung gewidmet hatte, begann sie, sich während der Zeit in Kulmbach immer stärker ehrenamtlich zu engagieren. Einen Anstoß bildete ihr Ärger über die Art und Weise, wie damals der Weltgebetstagsgottesdienst in Kulmbach "runtergelesen" wurde. „Dann fahren Sie mal nach Stein, die machen dort Workshops zu dem Weltgebetstag" – dies war damals die Reaktion auf ihre Kritik. Dort, im Bayrischen Mütterdienst, der Vorläuferinstitution des heutigen FrauenWerk Stein e.V., fand sie ihre Wirkungsstätte. Sie bereitete selbst Workshops vor. |
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Noch in der ersten Nürnberger Zeit wurde ihr zudem angeraten, doch einen sogenannten „Pfarrbräutekurs“ zu absolvieren. Dies lehnte sie ab. Stattdessen besuchte sie später eine Tagung für Pfarrfrauen in Tutzing. Dort wurden die Frauen stärker ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen. Dies war Hiltrud von Loewenich wichtig, weil sie nicht „aufgefressen" werden wollte vom Pfarrfrauen-Sein. Die eher feministische Ausrichtung der Tagungen kam, wie sie schildert, nicht nur gut an. An Männer hieß es dann: "Schickt bloß Eure Frauen nicht nach Tutzing, die werden dort aufgehetzt!“ |
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Hiltrud von Loewenich kam hierdurch zur Pfarrfrauenarbeit und arbeitete zunächst im Vorbereitungsteam mit. Später leitete sie selbst Tagungen für Pfarrfrauen in Tutzing und auch im Mütterwerk in Stein. Nach langen Jahren ehrenamtlicher Arbeit nahm sie dann 1991 eine Halbtagsstelle in Stein an. Auch nach der Ernennung ihres Mannes zum Landesbischof im Jahr 1994 setzte sie ihre Berufstätigkeit fort – trotz manchem Widerstand.
Am Ende des Interviews wird sie gefragt, was sie in ihrem Leben erreicht hat. Sie hebt hervor, dass sie gemeinsam mit ihrem Team dazu beigetragen hat, dass Frauen mehr Selbstbewusstsein erlangten und dass die Pfarrfrauen freier wurden, ihre eigenen Gedanken und Bedürfnisse einzubringen. Sie hatte damals mit ihrem Team den Frauen das vermittelt, was heute selbstverständlich ist: „Die Frauen der Pfarrer definieren sich nicht mehr über ihren Mann, sondern selber“. |
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Hiltrud von Loewenich starb am 18. September 2022.
Die Zeitzeuginneninterviews sind im LAELKB nutzbar. Die Erschließungsdaten werden im Laufe des Jahres im neuen Archivinformationssystem veröffentlicht.
Zeitzeugen Interview Hiltrud von Loewenich: LAELKB, Zeitzeuginnen-Interviews des Arbeitskreises Frauenkirchengeschichte 7.2.0188 - 16
Foto von Hiltrud von Loewenich: Privatbesitz Andreas von Loewenich, Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Familie von Loewenich
Literatur: Angela Hager: Freimut. Hermann von Loewenich. Kirchenreformer und Landesbischof. Eine Biografie, Leipzig 2016